Der Müller von Salindres erzählt

Die Armands, das alte Müller-Ehepaar aus Salindre, haben neun Kinder großgezogen. Ein Sohn ist Lehrer, ein anderer Missionar in Brasilien, und der jüngste ist Polizist in Privas. Sie sind sehr stolz auf ihren Nachwuchs und geben sich immer noch ganz verliebt ineinander. Jede Form von Fortschritt, die ihnen nicht absolut notwendig erscheint, lehnen sie strikt ab – so auch den Kassettenrekorder, mit dem wir das Gespräch aufzeichnen wollten.

Monsieur Armand erzählt:
"Ich bin 1901 geboren, in diesem Zimmer hier, so wie alle meine Brüder und Schwestern. Ich war der Älteste. Meinem Vater gehörte die Mühle, so wie schon seinem Vater und seinem Großvater. Wir lebten von der Mühle, hatten aber auch etwas Land. Ich habe, verglichen mit anderen Kindern aus dieser Gegend, eine gute Jugend gehabt. Ich konnte bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr zur Schule gehen. Ich ging nicht zur Schule nach Laboule, sondern nach Rocles – das liegt näher bei der Mühle. Von meinem sechsten Jahr an half ich meinem Vater bei der Ernte, beim Heuen und bei der Kastanienernte - so, wie es der Jahreslauf mit sich brachte. Ich habe nie die Ziegen gehütet, denn dafür hatten wir einen Hirten, der von der Hochfläche kam.
Ich habe ein Mädchen aus der Gegen geheiratet." (Hier hält er kurz inne und sieht seine Frau bewundernd an.) "Als mein Vater starb, übernahm ich die Mühle. Wir mußten hart arbeiten; selbst als meine Frau schwanger war, ritt sie noch auf dem Maulesel los, um für die Kaninchen Gras zu suchen. Das war damals nicht so wie heute, wo man sich nur zu bücken braucht, um Gras zu abzupflücken. Man mußte den Mauleselpfad so lange hoch, bis man an ein Stück unbebautes Feld kam. Unser Maulesel war so eigensinnig, daß er immer weiter wollte, und dieses eine Mal hat er sogar meine Frau abgeworfen – nur, weil er nicht wollte, daß sie auf ihm ritt. Sie hat das Kind, mit dem sie schwanger war, nicht verloren – aber es hatte nicht viel gefehlt.
Ich habe immer viel Freude an der Mühle gehabt. Jetzt arbeitet sie nicht mehr, und ich finde das sehr traurig. Na ja, ich muß ehrlich sagen, das Mehl ist jetzt doch wirklich viel besser als früher. Ich habe drei Sorten Mehl hergestellt: das feine Mehl war das beste und teuerste; die mittlere und die grobe Sorte waren schneller hergestellt und gaben grobes Brot.
Trotz aller Sorgfalt fand man immer wieder Rattenköttel im Mehl. Ich siebte das Mehl, aber es war nichts zu machen – es blieben immer Verunreinigungen. Das Brot war braun und sehr dick, aber wir waren leicht zufriedenzustellen.
Die Mühle konnte dank des Mühlrades, das noch mein Vater im Bach angebracht hatte, mahlen. Früher war sie ein prächtiges Bauwerk; schon mein Großvater legte Wert darauf, daß alles ordentlich gemacht wurde. Alle Unterteile wurden eigens für ihn geschmiedet und auf Karren hierhergebracht. Der Großvater mußte sogar den Bach verlegen, um ihn unter dem Haus hindurch zu leiten, was dann sehr praktisch war. Ich zeige es Dir." (Er führte uns zu einem schönen Gewölbesaal unter dem Haus, durch den lebendiges, leuchtendes Wasser hindurchströmt. - Danach war Monsieur Armand so freundlich, uns die Mühle zu zeigen, in der er selbst lange nicht mehr gewesen ist.)
"Es tut mir zu weh, sagt er, sie so still stehen zu sehen. Das ist, als hätte ich eines meiner Kinder verloren." (Mit Tränen in den Augen zeigt er uns die drei "Räume", in die das Mehl fiel, dann den gewaltigen Mühlstein, das riesige Sieb – die Mechanismen, mit denen die Mühle arbeitete.)
"Müller zu sein war sehr interessant; man traf alle Menschen aus der Gegend. Es wurde über alles gesprochen – das Wetter, die Ernte, das Heu, die Kastanien, die Trauben, die Menschen – über alles, was man sich vorstellen kann. Es war schön, und wir hatten nie soviel Zeit, uns zu langweilen."


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